Eine Frau steht inmitten einer belebten Stadt. Sie hält sich verzweifelt die Hände vors Gesicht, während die Menschen um sie herum verschwommen erscheinen.

Panikattacken

Wie meine Recherchen zu diesem Thema ergeben haben, leiden wohl so einige Menschen mit Multipler Sklerose unter Panikattacken. Laut Dr. med. Detlev Schneider (Quelle = www.leben-mit-ms.de) sind MS-Patienten allerdings grundsätzlich nicht ängstlicher als Menschen mit anderen Erkrankungen. Angst kann eine lähmende oder mobilisierende Emotion sein. Einige Menschen erleben Ängste jedoch so stark, dass sie ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen. Es wird angenommen, dass etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens an einer Angststörung leiden.

MS-Themen aus dem Inhalt:

Frau leidet unter starken Kopfschmerzen als Symptom der Multiplen Sklerose und sitzt bei einem Arzt im Sprechzimmer.

Mögliche MS-Symptome

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene betrifft. Bei MS greift das ...
Ein Arzt überprüft die Ergebnisse von Hirntests mit einer Computerschnittstelle in einem hochmodernen medizinischen Umfeld.

MS-Diagnose erhalten?

Du hast eine MS-Diagnose erhalten und fühlst dich überfordert? Lass mich dir zunächst sagen: Du bist nicht alleine. Es gab ...
Unterstützung bei Multipler Sklerose. Psychotherapiesitzung, um mit der Diagnose von Multipler Sklerose besser umzugehen zu können.

Unterstützung bei MS

Menschen mit Multiple Sklerose können auf verschiedene Weise Unterstützung finden. Auf meiner MS-Domain gibt es dazu hilfreiche Themenseiten, wie beispielsweise ...

Was ist überhaupt eine Panikattacke?

Eine Panikattacke ist ein plötzlicher und intensiver Ausbruch von Angst oder Panik, der ohne erkennbaren Auslöser auftritt. Panikattacken können sowohl körperliche als auch psychische Symptome verursachen, die sich innerhalb weniger Minuten entwickeln. Zu den häufigsten körperlichen Symptomen gehören schneller Herzschlag, Herzklopfen, Atemnot, Schweißausbrüche, Zittern oder Beben, Schwindelgefühle und Brustschmerzen.

 
Auf psychischer Ebene kann eine Panikattacke von Gefühlen der Unwirklichkeit, Depersonalisation (das Gefühl, von sich selbst getrennt zu sein) oder Derealisation (das Gefühl, dass die Umgebung unreal oder fremd ist) begleitet sein. Menschen, die Panikattacken erleben, haben oft das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Panikattacken zwar sehr beängstigend sein können, aber im Allgemeinen harmlos sind und innerhalb von Minuten bis Stunden wieder abklingen. Laut www.msdmanuals.com hat jeder zehnte Erwachsene mindestens eine Panikattacke pro Jahr.

Was löst eigentlich eine Panikattacke aus?

Mann mit MS hat eine Panikattacke

Laut der AOK haben Angsterkrankungen multifaktorielle Ursachen, die biologische, psychologische und soziale Faktoren einschließen. Genetische Veranlagungen oder ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn können beispielsweise das Risiko für Panikattacken erhöhen. Traumatische Kindheitserlebnisse und aktuelle Belastungen, wie der Verlust eines geliebten Menschen, können ebenfalls zu Angsterkrankungen beitragen.

Bei der Entstehung von Panikstörungen spielen wahrscheinlich auch kognitive Aspekte eine Rolle, wie die übermäßige Aufmerksamkeit auf körperliche Reaktionen. Menschen mit einer Panikstörung neigen dazu, körperliche Symptome wie Herzrasen übermäßig zu beachten und falsch zu interpretieren. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, bei dem die Angst die körperlichen Symptome verstärkt und umgekehrt.

Nach Panikattacken tendieren Betroffene häufig dazu, Situationen zu meiden, die sie mit den Anfällen in Verbindung bringen, insbesondere öffentliche Plätze und Menschenansammlungen. Diese Vermeidung kann zu einem Teufelskreis führen, in dem die Angst vor erneuten Attacken verstärkt wird. Beispielsweise ziehen sich Menschen mit Agoraphobie oftmals zurück und schränken ihre sozialen Kontakte ein, was leider dazu beiträgt, ihre Angst noch zu verstärken.

MS-Themen aus dem Inhalt:

Ein farbiges Porträt einer jungen Frau inmitten einer schwarz-weißen Menschenmenge. Die Frau mit blonden Haaren und einer blauen Jeansjacke wirkt überfordert und ängstlich, möglicherweise aufgrund einer Angststörung in Verbindung mit oder zusätzlich zur Multiplen Sklerose.

Angststörungen und MS

Gemäß www.curado.de sind psychische Beeinträchtigungen bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) alles andere als ungewöhnlich. In der Tat erkranken Betroffene ...
Frau mit Depressionen aufgrund der Multiplen Sklerose

Depressionen bei MS

Laut der Seite www.msundich.de leiden mehr als 30 Prozent aller Menschen mit MS an Depressionen. Dabei handelt es sich um ...
Eine Frau mit Multipler Sklerose (MS) schläft in einem hellblauen Bett. Sie trägt eine Uhr, die ihre Schlafstörungen und Herzfrequenz überwacht. Die Frau hält ihre rechte Hand aus der Bettdecke, wo man auch die Uhr sieht.

Schlafstörungen bei MS

Laut www.trotz-ms.de leiden etwa 55 Prozent aller Menschen mit MS unter Schlafstörungen. Ich selbst hatte zu diesem Thema eine kleine ...

Was kann man gegen Panikattacken tun?

Bei Panikattacken gibt es verschiedene Strategien, die dabei helfen können, die Symptome zu bewältigen:

  1. Ruhe bewahren: Versuche ruhig zu bleiben und dir klarzumachen, dass eine Panikattacke zwar unangenehm ist, aber normalerweise nicht lebensbedrohlich ist. Denke daran, dass die körperlichen Symptome, wie schneller Herzschlag, Atemnot und Schwindel, zwar intensiv sein können, aber keinen ernsthaften Schaden verursachen. Die Panikattacke ist eine vorübergehende Reaktion deines Körpers auf Stress und Angst und wird in der Regel von selbst abklingen. Wenn du Schwierigkeiten hast, ruhig zu bleiben, versuche, dich auf deine Atmung zu konzentrieren.
  2. Tiefes Atmen: Konzentriere dich auf deine Atmung und versuche langsam und tief ein- und auszuatmen. Atemtechniken wie die 4-7-8-Methode können helfen, die Symptome zu lindern. Bei der 4-7-8-Methode atmest du übrigens für vier Sekunden tief ein, hältst die Luft sieben Sekunden lang an und atmest dann für acht Sekunden langsam aus. Diese Methode kann dazu beitragen, deine Atmung zu vertiefen und deinen Körper zu beruhigen, was wiederum dazu beiträgt, die körperlichen Symptome der Panikattacke zu reduzieren.
  3. Ablenkung: Lenke deine Aufmerksamkeit auf etwas anderes, um deine Gedanken von der Panikattacke abzulenken. Du könntest zum Beispiel ein beruhigendes Bild betrachten, wie eine Landschaft oder ein Bild von einem geliebten Menschen. Alternativ könntest du die Gegenstände in deiner Umgebung zählen oder dir wiederholt beruhigende Worte oder Sätze sagen, wie „Ich bin sicher“ oder „Dies wird vorübergehen“. Durch das Lenken deiner Aufmerksamkeit auf etwas Positives oder Beruhigendes kannst du dazu beitragen, deine Angst zu reduzieren und die Intensität der Panikattacke zu verringern.
  4. Akzeptanz: Akzeptiere die Panikattacke, anstatt dagegen anzukämpfen. Sieh sie als vorübergehendes Ereignis an, das zwar unangenehm ist, aber wieder vorbeigehen wird. Indem du die Panikattacke akzeptierst und dich nicht gegen sie wehrst, kannst du dazu beitragen, die Intensität der Symptome zu reduzieren und die Dauer der Attacke zu verkürzen. Denke daran, dass Panikattacken in der Regel nicht lebensbedrohlich sind. Indem du die Panikattacke akzeptierst und dir selbst Mitgefühl zeigst, kannst du dazu beitragen, die Angst zu verringern und dich schneller zu beruhigen.
  5. Muskelentspannung: Entspanne bewusst deine Muskeln, beginnend von den Schultern über den Nacken bis hin zu den Beinen. Progressive Muskelentspannungstechniken (Dateien zum Downloaden) können dabei hilfreich sein. Bei dieser Methode spannst du gezielt bestimmte Muskelgruppen für etwa fünf bis zehn Sekunden an und entspannst sie dann bewusst und vollständig für etwa 20 bis 30 Sekunden. Während du dich auf die Entspannung konzentrierst, achte auf das Gefühl der Lockerheit und Ruhe, das sich in deinem Körper ausbreitet. Durch regelmäßiges Üben dieser Technik kannst du lernen, deine Muskeln bewusst zu entspannen und deine körperliche Reaktion auf Stress und Angst zu reduzieren.
  6. Suche Hilfe: Sprich mit einer Vertrauensperson oder einem Fachmann über deine Erfahrungen mit Panikattacken. Als mögliche erste Anlaufstelle gilt übrigens der Hausarzt bzw. die Hausärztin. Es ist ratsam, über deine Erfahrungen mit Panikattacken mit ihm zu sprechen. Der Hausarzt kann eine professionelle Einschätzung vornehmen und gegebenenfalls an einen Fachmann wie einen Psychologen oder Psychiater verweisen.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Technik für jede Person wirksam ist. Experimentiere mit verschiedenen Methoden, um herauszufinden, was für dich am besten funktioniert. Wenn du regelmäßig Panikattacken hast oder Schwierigkeiten hast, mit ihnen umzugehen, suche professionelle Hilfe.

Deine Erfahrungen mit uns teilen

Frau im grünen Top zeigt einer Gruppe von Menschen etwas auf ihrem Laptop

Du hast auch eine MS-Diagnose erhalten und möchtest etwas zu diesem Thema beitragen? Wie lauten deine Erfahrungen mit Panikattacken? Hast du eine Ahnung woran es liegt? Nimmst du Medikamente wegen der Panikattacken und/oder bekommst professionelle Hilfe?

Erfahrungsberichte von Betroffenen lesen

Zum Thema Panikattacken hatte ich in der MS-Community eine kleine Umfrage gestartet, an der sich 222 Menschen mit MS beteiligten. Dabei kam heraus, dass 90 Teilnehmer/innen (entspricht 40 Prozent) seit ihrer MS-Diagnose mit Panikattacken zu tun haben oder hatten. Nachfolgend einige Erfahrungswerte:

  • Panikattacken kenne ich seit meinem 15. Lebensjahr. Ich hatte einige Jahre damit zu kämpfen. Mit 20 Jahren verschwanden sie von einem Tag auf den anderen. Bis ich vor 2 Jahren, mit 32, die MS-Diagnose bekam. Ich kam ins Krankenhaus, bekam die Diagnose und über 5 Tage Kortison. Danach begannen die Panikattacken wieder, in voller Stärke, mit Todesangst. Ich hatte fast ein Jahr damit zu kämpfen, bis die Attacken wieder nachließen. Heute halten sie sich in Grenzen, aber völlig frei von den Panikattacken bin ich seitdem nicht. (Andrea)
  • Panikattacken kenne ich seit der Diagnose, mit Angst (Verlustangst) hatte ich bereits 10 Jahre zuvor zu kämpfen. Dass diese Symptome wie Herzrasen, Schwitzen, Ohnmachtsgefühle und Todesangst Panikattacken sind, hat mir meine Neurologin erklärt. Sie traten während meiner ersten Medikamenteneinnahme von Copaxone® auf, weshalb ich es abgesetzt habe. Die Symptome sind jedoch geblieben und haben sich über die Jahre manifestiert. Dadurch, dass ich viel mit Schwindel, Kopfschmerzen, Druck und Herzstolpern zu tun habe, habe ich auch viel Angst. Ich kann nicht allein in der Wohnung sein, nicht allein rausgehen, keine Termine allein wahrnehmen. Ich habe/hatte IMMER Angst und Panik, weshalb ich solche Situationen immer vermieden habe. Und das ist der falsche Weg, wie ich mittlerweile kapiert habe. In letzter Zeit entwickelt sich nicht zwangsläufig eine Panikattacke daraus. Ich besuche seit 1,5 Jahren eine Psychiaterin und eine Psychologin und kämpfe gegen die Panikattacken an. Mein Mann arbeitet mittlerweile im Homeoffice, was mir unwahrscheinlich viel Sicherheit gibt. Dazu nehme ich Lyrica®, und ich habe das Gefühl, es macht seinen Job gut. Ich traue mich mittlerweile auch mal allein rauszugehen (einkaufen etc.) ohne gleich Panikattacken zu bekommen (sofern es mir „gut“ geht). Allein in der Wohnung zu sein über einen längeren Zeitraum oder die Angst vor dem MRT ist leider noch da. Was mir immer wieder gesagt wird, ist der Fakt, dass Angst ein natürliches Gefühl ist und zu unserem Leben dazu gehört. Meine Psyche muss aber lernen, dass es nicht automatisch bedeutet, dass ich umfalle oder sterbe. Ich muss den Umgang und das Leben mit der Angst wieder neu lernen. Für mich ist das immer schwierig, denn wer garantiert mir, dass nicht noch etwas passiert, Krankheit der 1000 Gesichter eben. Die Panikattacken/die Angst ist für mich mit das Schlimmste seit der Diagnose. Ich bin dadurch nicht mehr ich selbst. Es ist das Gefühl, dass ich nicht mehr die Kontrolle über mein Leben habe. Nichts mehr machen kann, worauf ich Lust habe. Deshalb ist es mir wichtig, dagegen anzugehen und mich zu 100% auf Hilfe einzulassen. Auch wenn ich bisher nur schlechte Erfahrungen mit Psychologen gemacht habe, ist es mir ein Versuch wert. Die Zeit wird es zeigen, und kleine Fortschritte sehe ich bereits. (Juliana)
  • Bei mir fing damals alles mit Dauerkopfschmerzen und einem komischen Gefühl im Kopf an. Es fühlte sich so an, als könnte jeden Moment jemand oder etwas einen Stecker in meinem Kopf ziehen. Ich stellte mir vor, dass ich einen Schlaganfall bekommen könnte, ohne jemals einen gehabt zu haben. Diese Angst entwickelte sich im Laufe der Monate so extrem, dass ich etwa 1,5 Jahre nur noch alle 3–4 Tage einschlafen konnte. Immer kurz vorm Einschlafen bekam ich eine Panikattacke und saß wieder kerzengerade im Bett. Ich musste so müde sein, dass die Panikattacke nicht mehr automatisch von meinem Körper ausgelöst werden konnte. Psychosomatische Rehas, Psychotherapie und Medikamente, die mich extrem müde machten, halfen mir schließlich. Meine letzte Panikattacke hatte ich 2017 oder 2018. Ich musste/durfte damals während zwei Rehas à jeweils 8 Wochen Aufenthalt unter Beobachtung üben. Ich sollte lernen, dass meine Panikattacken nicht tödlich sind und ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Ich sollte sie wie meinen kleinen Bruder sehen, wurde mir immer wieder gesagt, und nicht dagegen ankämpfen, sondern stattdessen herzlich willkommen heißen. Nach nur zwei Wochen während meiner ersten Reha wurde sozusagen die nächste Stufe gezündet. Ich sollte die Panikattacken sogar selbst herbeiführen und ihnen dann so wenig wie möglich Aufmerksamkeit schenken. Das war echt nicht einfach, denn Panikattacken sind kein schönes Gefühl. Man möchte sie eigentlich verhindern und nicht noch aktiv herbeiführen. Aber es fand (wie gesagt) unter Aufsicht statt, zum Beispiel bei Entspannungsübungen und Ergotherapie während der Reha. Ich sollte dabei auch keine Rücksicht auf andere Mitpatienten nehmen, die zum Beispiel bei der Entspannung nach Jacobson von meiner Panikattacke gestört werden könnten. Das war doppelt schwierig für mich, da ich ungerne Aufmerksamkeit erzeuge. Aber es funktionierte in meinem Fall, und die Panikattacken wurden immer schwächer und hielten nicht mehr so lange an. Mit jedem Mal wurden sie ein Stück schwächer, bis sie in der zweiten Reha damals tatsächlich komplett verschwanden und ich seitdem (bis auf 2–3 Mini-Panikattacken) bis heute Ruhe habe. Immerhin schon mehr als 10 Jahre. (Marco)
  • Bei mir war es letzten August. Die erste Manifestation der MS war im Frühjahr und die finale Diagnose erfolgte im Juli. Und weil der Sommer ja „soooo schön“ war – ich wusste, dass es Uhthoff gibt, aber ich hatte noch keine Ahnung, was von all diesen neuen und alten und veränderten Symptomen „normal“ war und was durch die Hitze ausgelöst wurde. Das alleine habe ich irgendwie überstanden, aber im August (also nach gefühlt einem halben Jahr bei über 30 Grad) fiel mir einmal auf, dass ich nicht wirklich zufriedenstellend tief einatmen kann. Nur noch nach vielen Versuchen – und schon war die Panik vor einem Erstickungstod da. Zumal ich in der Zeit auch viel über MS las und gerade Läsionen im Kleinhirn wirklich zu bedrohlichen Zuständen führen können – und in meinem MRT waren auch da kleine Punkte zu sehen. Zu der Zeit schlief ich auch extrem schlecht. Aus heutiger Sicht war dann zum Glück doch alles „nur“ Uhthoff, und die Erstickungsangst war rein psychisch. Nachdem internistisch alles abgeklärt war, bekam ich Lorazepam, und damit konnte ich zum ersten Mal seit Wochen wieder normal schlafen. Weil die Zepam-Familie besser keine Dauerlösung ist, bin ich Ende September dann auf Sertralin umgestiegen, und seitdem geht es mir psychisch wieder richtig gut. Und körperlich besser geht es mir seit dem Ende der Hitzewelle Anfang Oktober. Jetzt hoffe ich mal, dass der nächste Sommer nicht so heiß wird und dass mein Sport dabei hilft, dass Uhthoff nicht mehr so schlimm wird. Psychologische Hilfe zu bekommen habe ich in der Phase dreimal versucht, aber die Hürde ist für jemanden in einer tiefen Depression nahezu unüberwindbar. Jegliche Nachfrage am Telefon führt immer nur zu „kein Platz mehr“ oder „frühestens in 6 Monaten“. Sogar die Koordinationsstelle der Bayerischen Ärztekammer hat mich in eine Sackgasse vermittelt – und mit einer Depression fehlt absolut die Kraft, dann noch weiterzumachen. Wirklich schnelle Hilfe bekommt offenbar nur, wer sagt, dass er sich etwas antun will – aber wenn man das sagt, hat man fortan gaaaaanz andere Probleme mit Ärzten und Justiz, also ist es besser, nicht damit „zu spaßen“, nur um schnell Hilfe zu bekommen. (Markus)
  • Kurz nach meiner MS-Diagnose hatte eine Ärztin diese in Frage gestellt und gemeint, es wäre Krebs und die angeblichen Herde seien Metastasen im Kopf. Seitdem habe ich bei jedem MRT Panik, dass sie mich anrufen, um zu sagen, dass ich Krebs habe. Anfangs hatte ich täglich Angst, mittlerweile sporadisch, und weiß einfach, wie ich damit umgehen muss. Ich habe es thematisiert, wurde aber irgendwie nicht weiter darauf eingegangen. Ehrlich gesagt, habe ich einen recht lockeren Hausarzt, der mir für Notfälle etwas gegeben hat. Habe ich nun aber schon über zwei Jahre nicht gebraucht. Ich halte einfach aus, bis es vorbei ist. (Melanie)
  • Hatte Jahre vor der Diagnose vor Prüfungen Panikattacken, die durch das Blutdruckmittel Bisoprolol gelöst wurden. Der Kreislauf wurde runtergedrückt. Es war nicht nach, sondern noch vor der MS-Diagnose. Habe daher bei deiner Umfrage mit Nein gestimmt. (Michael)
  • Bevor ich wusste, was los ist bzw. bevor ich erkrankte, hatte ich durch eine andere Erkrankung solche Panikattacken. Seitdem bin ich immer noch in Therapie, kann aber mittlerweile sehr gut damit umgehen. Ich hatte Herzrasen, Luftnot und konnte keine klaren Gedanken fassen. Es wurde heiß, und ich verspürte Fluchtgefühle. Menschenmassen und laute Umgebungen waren zu viel für mich. Manchmal konnte ich die Wohnung nicht verlassen und musste alles unter Kontrolle haben. Zwischenfälle, die nicht vorgesehen oder geplant waren, konnte ich nicht bewältigen. Ich brauche immer noch einen gleichbleibenden und geplanten Tagesablauf. (Monika)
  • Ich habe Panikattacken seit etwa 10 Jahren, könnte auch 11 sein. Habe eine Therapie gemacht, das Einzige, was ich daraus mitgenommen habe, war, dass man es aushalten muss, denn sonst wird es nur noch schlimmer. Aber gewisse Dinge vermeide ich nach wie vor. Würde nie zu einem Konzert gehen, das geht einfach nicht. Aber ich vermisse es auch nicht. Manchmal fällt es mir schwer, in ein Restaurant zu gehen. Aber manchmal kommen sie auch einfach beim Einkaufen. Am Anfang bin ich dann direkt zur Kasse gegangen, ob ich alles hatte oder nicht. Mittlerweile ziehe ich es durch und kaufe das, was auf dem Zettel steht. Ich kann damit leben, und das ist mir wichtig. Natürlich hoffe ich, dass sie mal wieder verschwinden, aber wenn nicht, dann ist es leider so. Am Anfang war es sooo viel schlimmer, man lernt damit zu leben. Medikamente habe ich nur am Anfang genommen. (Nadine)
  • Ich leide seit vielen Jahren unter immer wiederkehrenden Panikattacken. Die ersten traten 2013 auf und begleiten mich seither in unterschiedlicher Stärke. Zweimal war ich jeweils sechs Wochen stationär in Kliniken in Behandlung. Vor einigen Monaten lebte ich komplett ohne Medikamente, doch aktuell nehme ich wieder Quetiapin und seit heute auch Sertralin. Zusätzlich habe ich seit 2006 die Diagnose Multiple Sklerose, wobei mein erster Schub bereits etwa zehn Jahre früher auftrat. Meine Panikattacken kommen meist plötzlich und ohne erkennbaren Auslöser. Während einer Attacke muss ich stark atmen, mein Körper entwickelt intensive Hitzegefühle, und der Anfall dauert derzeit etwa zwei Minuten – früher waren sie auch deutlich länger. Warum diese Attacken auftreten, ist für mich bis heute nicht eindeutig erklärbar. Ich stehe regelmäßig in Behandlung bei dem Chefarzt meiner letzten Klinik. Zuvor sprach ich mit meiner Neurologin und Psychiaterin darüber, die vermutete, dass meine damalige Beziehung möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung der Panikattacken gespielt hat. Trotz vieler offener Fragen versuche ich, meinen Weg im Umgang mit der Erkrankung weiterzugehen und mir die notwendige Unterstützung zu holen. (Sabine)
  • Ich hatte Panikattacken während meiner Fortbildung und durch die ständige Angst im Alltag zu versagen, nichts und niemandem gerecht werden zu können. Das hat sich mit den Antidepressiva gelegt, zum Glück. Ich konnte mich aber selbst immer wieder aus der Situation holen, angenehm war das trotzdem nicht. Es hat viele schlaflose Nächte gekostet. Als erstes habe ich mich in eine aufrechte Position gebracht und versucht, mich auf einen Punkt zu fokussieren – Wand, Bild, Bett, irgendwas, das in der Nähe war. Dann habe ich meine Atmung unter Kontrolle bekommen, tief ein- und ausatmen, kennt man ja… zur Nase ein, zum Mund aus. Ich habe gerne meine Hände dazu genommen, dann hat es besser funktioniert. Letztendlich habe ich versucht, mir selbst gut zuzureden. ‚Beruhige dich, fahr runter und begib dich in eine Erinnerung, die dir gut getan hat.‘ Ich habe mir immer wieder ein Gespräch mit meinem Papa vorgestellt, der verstorben ist. So hat sich das mal früher, mal später, wieder gelöst. Dabei muss ich aber dazu sagen, dass ich nicht weiß, ob es leichte oder schwere Attacken waren. Trotzdem bin ich froh, keine mehr zu haben. (Samantha)
  • Ich dachte, das wäre normal! Das ist doch irgendwie krass, die Diagnose und dann noch der Alltag usw…. Ich habe Schlafprobleme… da kommt eins zum anderen… Aber ich kann nichts ändern… da glaube ich nicht, dass mir ein Psychologe oder so helfen kann… Meine Meinung… Ich spritze Copaxone® seit 3 Jahren… und mehr kann ich nicht machen… Hoffen… Und den kleinen Schub, den ich wohl die letzten 3 Wochen hatte, ignorieren oder… keine Ahnung… Jetzt geht es mir gerade wieder gut. (Sylvia)